Vortrag im Rahmen der Ausstellung "Gerüchte"
24 May 2011 · 8.30 pm

Zur Abnutzung eines Gerüchts: Homosexualität im Militär

Venue: Museum für Kommunikation, Leipziger Str. 16, 10117 Berlin-Mitte

Program

Vortragsreihe im Rahmen der Ausstellung "Gerüchte"

Kooperation des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin mit dem Museum für Kommunikation Berlin

Weitere Informationen über die Ausstellung "Gerüchte" (1.10.2010 bis 3.7.2011)

 

Zum Vortrag
Einer der großen Polit- und Sittenskandale der Bundesrepublik, die Kießling-Affäre (1984), wurde durch das Gerücht ausgelöst, dass der Bundeswehrgeneral Kießling homosexuell gewesen sein soll. Monatelang beschäftigte die Affäre die Medien und führte zu einem (von Bundeskanzler Kohl abgelehnten) Rücktrittsgesuch des damaligen Verteidigungsministers Wörner. Ausgehend von einer Rekonstruktion dieser Affäre, die sich als exemplarische Geschichte eines sozial brisanten Gerüchts erzählen lässt, wird in dem Vortrag diskutiert, welche Sprengkraft "Homosexualität als Gerücht" im spezifischen Kontext des Militärs besaß und auch heute noch besitzt, wie sich des Weiteren anhand der aktuellen Debatten um die "Don't ask, don't tell"-Politik in den USA zeigen lässt. Die Veränderung der Einstellungen gegenüber Homosexuellen als Angehörige der Streitkräfte zeugen nicht zuletzt von einem tiefgreifenden sozialen Wandel, so dass die Geschichte dieses Gerüchts zugleich zur Sozialgeschichte der Homosexualität beiträgt.