Das Nachleben der Muse. Balzac, Henry James, Fontane

Die Musen gelten als antike Möglichkeitsbedingung des Erzählens. Dass sie in den Romanen Balzacs, Henry James’ und Fontanes ein Nachleben führen, zeigt ihre poetologische Bedeutung für die Moderne. Das Projekt untersucht Romane, die dem modernen Erzählparadigma realistischer Mimesis verpflichtet sind und doch eine Musenfigur ins Zentrum der Diegese stellen. Unter Bezug auf Aby Warburgs Konzept des Nachlebens der Antike und Blumenbergs Romantheorie führt die Arbeit aus, inwiefern die Musen ihre poetische Macht über das Erstarken der Autorpersönlichkeit hinweg erhalten und als vielleicht erste Antwort auf die Frage nach der Quelle literarischer Produktivität bis in die Prosa der Moderne hinein virulent bleiben. In Einzelanalysen legt die Studie die Transformationsprozesse, die die antiken Göttinnen der Künste auf dem langen Weg in die Moderne durchlaufen, offen und arbeitet die poetologische Bedeutung der Musenfiguren sowohl für den jeweiligen Roman als auch für das realistische Erzählprogramm im 19. Jahrhundert heraus. Auf diese Weise kann gezeigt werden, wie die Muse ihr poietisches Potential in den modernen Text einträgt und sich so als Kristallisationspunkt der Romanpoetik erweist.

 

Abb. oben: Giulio Romano: Tanz Apollons mit den Musen (ca. 1540), Quelle: Wikimedia Commons, The Yorck Project (2002) 10.000 Meisterwerke der Malerei (DVD-ROM), distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH

Programmförderung Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2019
Leitung: Annalisa Fischer