Mittwochsvortrag
06.05.2020 · 18.30 Uhr

Liliane Weissberg (University of Pennsylvania/American Academy Berlin): Schreiben von unterwegs. Postkarten von Walter Benjamin

Ort: ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, Aufgang B, 3. Et., Trajekte-Tagungsraum

Die Postkarte, die Mitte des 19, Jahrhunderts erfunden und bald zu einem preiswerten Kommunikationsmedium wurde, stand für die neue Zeit. Sie erlaubte nur kurze Texte, die eine reduzierte Sprache verlangten. Eine eigentliche Privatsphäre schien es hier nicht mehr zu geben; ohne den schützenden Umschlag eines Briefes war jede Postkarte öffentlich. Früh schon wurden Postkarten gedruckt, die Lithographien als Bildmaterial nutzt, ab 1907 wurden Postkarten auch Träger von Fotografien, die sie massenhaft reproduziert in Umlauf brachten. Walter Benjamin war von diesem Medium fasziniert. Er sammelte Postkarten und plante sogar, eine Philosophie der Postkarte zu schreiben. Erhalten gebliebene Postkarten seiner Sammlung und Karten, die von ihm selbst verschickt wurden, erzählen eine eigene Geschichte der Moderne.

Liliane Weissberg lehrt seit 1989 an der University of Pennsylvania als Christopher H. Browne Distinguished Professor in Arts and Sciences deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft, aktuell ist sie Anna-Maria-Kellen-Fellow an der American Academy in Berlin. Weissberg hatte eine Vielzahl von Gastprofessuren inne, darunter in Princeton, Hamburg, Bochum, Potsdam, Berlin, Graz, Heidelberg, Wien und Zürich. In den USA und in Deutschland kuratierte sie mehrere Ausstellungen, darunter 2012 für das Deutsche Literaturarchiv Marbach und 2013 für das Jüdische Museum Frankfurt. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit einem Preis der John Simon Guggenheim Memorial Foundation (1991), dem Lindback Award for Distinguished Teaching der University of Pennsylvania (2003) und dem Humboldt-Forschungspreis (2012). Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die deutsche Literatur seit dem 18. Jahrhundert, die Geschichte der Psychoanalyse und German-Jewish Studies.

Publikationen (Auswahl)
• Münzen, Hände, Noten, Finger. Berliner Hofjuden und die Erfindung einer deutschen Musikkultur (Graz 2018)
• On Writing with Photography (Hg. mit Karen Beckman, Minneapolis 2013)
• Juden. Geld. Eine Vorstellung (Hg. mit Raphael Gross und Fritz Backhaus, Frankfurt am Main 2013)
• Über Haschisch und Kabbala. Gershom Scholem, Siegfried Unseld und das Werk von Walter Benjamin (mit Dietmar Jaegle, Marbach am Neckar 2012)
• Affinität wider Willen? Hannah Arendt, Theodor W. Adorno und die Frankfurter Schule (Hg., Frankfurt 2011)
• Hannah Arendt, Charlie Chaplin und die verborgene jüdische Tradition (Graz 2009)

 

Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Voranmeldung ist nicht nötig.